www.oliverwieters.de - 19.02.2026 - 04:30 Uhr
Artikel (#68)
Dieter Galinski
(Bild: Oliver Wieters)

Ein Hanseat aus Leidenschaft

Portrt von Dieter Galinski, dem langjhrigen Geschftsfhrer des Schlerwettbewerbs Deutsche Geschichte

Von Oliver Wieters

"Hamburg", schwrmt der gebrtige Duisburger Dieter Galinski, "ist fr mich die schnste Stadt Deutschlands". Gerne erinnert sich der frischgebackene Trger des Bundesver-dienstkreuzes am Bande an den Tag, an dem er zum ersten Mal die weien sich kreuzenden Segel auf der Alster sah. 26 Jahre ist das jetzt her, aber die Faszination fr die Hansestadt, die der franzsische Schriftsteller Julien Green einmal die "Stadt der Tausendundeinen Nacht des Nordens" nannte, ist dem begeisterten Segler bis heute geblieben.

Wie ein waschechter Hanseat sitzt er mit gestreiftem Hemd, gelber Krawatte und dunklem Jackett auf einem Stuhl in den nchternen Rumen der Krber-Stiftung. Erst der Schlerwettbewerb, dann das Krber-Kolleg, jetzt die Brgerstiftung: Hamburg hat dem Mann mit dem Vollbart Glck gebracht. Eine Entwicklung, die keineswegs selbstverstndlich war: Geboren wurde er zwei Jahre vor Kriegsende in Duisburg als einziges Kind eines katholischen Vaters und einer protestantischen Mutter. Sein Vater war ein Selfmademan, der einige Zeit in Brasilien gelebt hatte und mehrere Sprachen beherrschte. Neben der Eisenhtte, wo er arbeitete, befand sich eine Leihbibliothek, der Dieter Galinski seine ersten Leseerfahrungen verdankt. "Eines meiner Lieblingsbcher handelte von dem berhmten Indianerhuptling Tecumseh, sein Bemhen um die Einigung der indianischen Stmme und seinen Kampf gegen das Vordringen der weien Eroberer", erinnert er sich. "Ich war auf der Seite der Indianer", fgt er schmunzelnd hinzu.

Seine Sympathie fr die Benachteiligten verband ihn mit dem Geist der Achtundsechziger-Bewegung. Damals studierte er in Mnster Geschichte und Erziehungswissenschaften, beseelt von dem Gedanken, mehr Demokratie zu wagen. Das gleiche Ziel hatte der damalige Bundesprsident Gustav Heinemann, der in einer berhmten Rede gefordert hatte, freiheitliche Traditionen im deutschen Geschichtsbild zu strken. "Die Rede kannte ich auswendig", so Dieter Galinski. Heinemann war es auch, der 1974 zusammen mit seinem Freund Kurt A. Krber den Schlerwettbewerb Deutsche Geschichte um den Preis des Bundesprsidenten ins Leben rief. Auf eine Anzeige hin Bewarb sich Dieter Galinski als Geschftsfhrer des Kuratoriums, eine Funktion, die er mehr als zwei Jahrzehnte inne hatte.

"Das war eine groe Chance, das, was gerade aufkam, zu verbreiten", erinnert er sich. Nicht nur die Geschichte der Sieger, sondern auch die der Verlierer sollte ins Bewutsein der ffentlichkeit gehoben werden. Seitdem sind in 15 Ausschreibungen mehr als 85.000 Schler an ihrem eigenen Wohnort auf historische Spurensuche gegangen - ein Erfolg, der zu groen Teilen dem Engagement Dieter Galinskis zu verdanken ist.

Im Herbst 1988 brachte Kurt A. Krber aus der Sowjetunion, wohin er Helmut Kohl begleitet hatte, die Idee zu einem demokratischen Management-Ausbildungsprogramm fr russische Ingenieure mit. Bis zu seiner Einstellung vor zwei Jahren hatte das Programm, das er mit auf den Weg brachte, mehr als 180 Teilnehmer aus dem ehemaligen Sowjetreich. Dieter Galinski war begeistert: "Ich fand es faszinierend, Geschichte aktiv mitzugestalten."

Von dort aus war es gedanklich nur ein kleiner Schritt zu seinem Engagement in der Brgerstiftung Hamburg. Seit einem Jahr setzt sie sich fr gewaltprventive Jugendprojekte in sozialen Brennpunkten Hamburgs ein. Fr Dieter Galinski, der weiterhin Angestellter der Krber-Stiftung ist, eine Mglichkeit, seine Verbundenheit mit der Stadt zum Ausdruck zu bringen, nicht zuletzt, weil er jetzt den Weg von seinem Haus in Glinde zur Stiftung am Mittelweg mit ffentlichen Verkehrsmitteln zurcklegt. "Ich bin viel nher dran an den Problemen und lerne Hamburg mit neuen Augen sehen", sagt er.

Dieter Galinski hat seinen Weg gemacht. Fr sein lebenslanges Engagement erhielt er am 14. November aus der Hand der stellvertretenden Brgermeisterin Christa Sager das Bundesverdienstkreuz am Bande. Natrlich im Rathaus von Hamburg, der Stadt, die zu seiner zweiten Heimat geworden ist.




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