Sabriye Tenberkens Abenteuer auf dem Dach der Welt
von Oliver Wieters
Von ihren Abenteuern auf dem Dach der Welt berichtet jetzt Sabriye Tenberken in ihrem Reisebericht ,,Mein Weg fhrt nach Tibet und ihrem Kinderbuch ,,Tashis neue Welt, mit denen sie sich seit September auf einer viel beachteten Lesereise befindet. Am Montag machte sie auf Einladung der Buchhandlung Nada in der Bergedorfer Hasse-Aula Station.
Sabriye Tenberkens Leben liest sich fast wie ein Mrchen: Im Anfang war das Licht und das Leben war voller Farben. Dann, im Kleinkindalter, wurde bei ihr ein schleichender Verlust der Sehkraft diagnostiziert, die lange Reise in die Dunkelheit nahm ihren Anfang. Heute nimmt Tenberken nur noch Schatten wahr. Aber anstatt in Trbsal zu verfallen, hat sich die junge Frau einen Lebenstraum erfllt.
Ihre Faszination fr Zentralasien beginnt, als sie mit 18 Jahren in ihrer Heimatstadt Bonn eine Ausstellung tibetischer Kunst besucht. Fr das blinde Mdchen ffnet der Ausstellungsleiter ausnahmsweise die Vitrinen und gibt ihm die Kulturgegenstnde in die Hand - ein Erlebnis, das einen tiefen Eindruck bei Sabriye hinterlt. Whrend ihres Studiums der Tibetologie entwickelt sie eine Punktschrift, um tibetische Texte lesen zu knnen. Ein Tbinger Mathematiker hilft ihr dabei, ein Computerprogramm zu entwickeln, mit dem tibetische Blinde Bcher lesen knnen. Trotz ihrer Behinderung beschliet sie, nach Lhasa zu reisen, um blinden Kindern zu helfen - allein, damit die Welt erfhrt, wozu Blinde in der Lage sind.
Blinde leben nicht schlechter als Sehende
,,Die Tibeter glauben, da Blinde von Dmonen besessen sind. Dabei sind Augenleiden dort weit verbreitet, berichtet Tenberken. Dafr verantwortlich sind vor allem der beiende Yak-Rauch in den Htten, Vitamin-A-Mangel und starke UV-Strahlen. ,,In Tibet gilt Erblindung als Strafe Gottes, Blinde werden als Tlpel beschimpft und besuchen keine Schulen, so Tenberken.
Nachdem sie in Lhasa angekommen war, ritt sie wochenlang mit drei Begleitern von Dorf zu Dorf und entdeckte trotz gegenteiliger Behauptungen der Behrden blinde Kinder, die ans Bett gefesselt waren oder noch nie eine Schule betreten hatten. Das hat Sabriye Tenberken gendert: Heute leben in ihrer Schule 17 blinde Jungen und Mdchen. Inzwischen wird die Einrichtung auch von den Behrden geschtzt.
Aber das ist nicht die Hauptsache, auf die sie stolz ist. Sie will mit dem Vorurteil aufrumen, das Blinde nur bemitleidenswert sind und ihr Leben nicht in die eigene Hand nehmen knnen. Fr Sehende, die ihr mit Mitleid begegnen, hat Tenberken deshalb nur Verachtung brig. ,,Ich bin kein 'blinder Engel'", wehrt sie sich gegen irrefhrende Etikettierungen. ,,Ich habe auch Stacheln!
"Blinde", sagt Sabriye Tenberken, ,,leben nicht schlechter als Sehende, nur anders. Sie hatte noch nie das Gefhl, im Dunkeln zu stehen. ,,Alles, was ich erfahre, setze ich in bunte Bilder um", sagt sie, ,,denn die Farben leuchten in der Phantasie besonders stark. Erst recht, wenn man so viel davon hat wie Sabriye Tenberken.
Hier knnen Sie einen Kommentar zum Text hinzufgen (bitte keine Links):