Warum Roland (15) fr seine Familie ein echtes Vorbild ist
Eine Reportage von Oliver Wieters (2004)
Zu wenig Bewegung, zu viele Sigkeiten schon mit zehn war Roland so dick, dass ihm bei jedem Schritt die Knie weh taten. Zufllig erfuhr seine Mutter vom Moby Dick-Programm. Motto: Abnehmen mit Spa und nicht mit Verboten! In knapp zehn Monaten hat Roland gut 25 Kilo abgespeckt. Er ist begeistert: Ich kann jetzt viel mehr machen als frher!"
Kommen Sie mit in ein hbsches Einfamilienhaus im grnen Hamburg-Bramfeld. Liebevoll kmmert sich hier Hausfrau Dana Kasprik (39) um ihre Familie. Um Roland (15), Adrian (13), Fabian (10), Heidi (6) und Ehemann Andreas (35), von Beruf Elektroinstallateur. Gerade hat sie einen Kuchen auf den hbsch gedeckten Kaffeetisch gestellt. Aber whrend dem pummeligen Fabian schon das Wasser im Mund zusammenluft, kann sich sein schlanker Bruder Roland mhelos zurckhalten.
Frher htte sich auch Roland kaum zweimal bitten lassen. Gedankenlos stopfte er Kuchenberge, Schokoriegel, Hamburger und Chips in sich hinein. Auf den alten Familien-Bildern ist er kaum wieder zu erkennen: Ein echter Brocken ist er damals gewesen. Mit 12 wog er fast 90 Kilo bei 1,63 Meter Gre. Mindestens 30 Kilo zuviel.
Kein Wunder, denn Bewegung war absolut nicht Rolands Ding. Er spielte lieber mit seiner Modelleisenbahn. Sport? Fehlanzeige! Obst und Gemse? Ein Graus!
Schon mit zehn war er so dick, dass ich seine Kleidung in der Herrenabteilung kaufen musste", erinnert sich Dana. In seiner Freizeit trug Roland Trainingsanzge. Da fielen die Fettpolster nicht so auf." Doch sein Krper lie sich nicht tuschen: Bei jedem Schritt taten mir meine Knie weh", sagt er. Schon bei kleinster Anstrengung ging ihm die Puste aus. Wegen seiner Gelenkprobleme wurde er vom Schulsport befreit ein Teufelskreis. Dana: "Ich machte mir echt Sorgen um meinen ltesten. Ich litt, wenn er von seinen Mitschlern verspottet wurde."
Die Erinnerung an tgliche Hnseleien hat Roland verdrngt. Ich habe gar nicht bemerkt, dass ich immer dicker wurde." Alle Versuche der Mutter, ihn zu einer Dit zu berreden, scheiterten. In ihrer Not suchte Dana im Juni 1999 Rat bei ihrem Hausarzt. Als er Roland untersuchte, schrillten alle Alarmglocken: Der Arzt warnte vor Langzeitfolgen wie Altersdiabetes, hohem Blutdruck und Haltungsschden. Er verschrieb dem damals 10-Jhrigen eine Dit-Kur in Wyk auf Fhr.
Der Erfolg hielt sich in Grenzen. Kein Wunder", wie Roland im Rckblick meint. In unserer Freizeit durften wir so viel Eis und Kuchen kaufen, wie wir wollten." Am Ende war nur ein mageres Kilo weg.
Dana war verzweifelt. Was nun? Zufllig sah sie Anfang 2001 eine Folge der Oliver Geissen Show" im Fernsehen. Zu Gast waren Kinder, die mit dem Gesundheitsprogramm Moby Dick" abgenommen hatten. Mir gefiel, dass Moby Dick nicht auf Verbote setzt, sondern auf Spa."
Dana verabredete einen Termin mit Dr. Christiane Petersen (50), die das Programm 1999 in Hamburg ins Leben gerufen hatte.
Beim Info-Gesprch erfhrt sie von der sympathische Schulrztin berraschendes: Je weniger Dit ein Kind hlt, desto besser kann es abnehmen", erklrte sie. In der Wachstumsphase ist es durchaus ein Erfolg, wenn ein bergewichtiges Kind nicht weiter zunimmt, sondern in die Hhe statt in die Breite wchst."
Dana war begeistert. Ich habe Roland gleich angemeldet." Ein Jahr lang (November 2001 bis Dezember 2002) ging er einmal wchentlich fr drei Stunden zum Kursus.
Roland: Die Sitzungen vergingen wie im Fluge: Erst hatten wir eineinhalb Stunden Bewegungstraining, dann eineinhalb Stunden gemeinsames Kochen." Da gab's dann alles, vom Grnkerneintopf ber Seeruber-Gulasch (mit Seelachsfilet statt Rindfleisch) und Suppen bis zu Kartoffel-Karotten-Reibekuchen. Aber auch mal Dner mit Putenbrustfilet oder magere Hamburger, in Pflanzenl fettarm gebraten. Zwischendurch Vollkornprodukte und selbstverstndlich auch Ses wie Obstsalat oder Obstkuchen.
Es dauerte nicht lange, da entwickelten die zwlf gleichaltrigen, bergewichtigen Jungen und Mdchen echten Team-Geist. Aber auch die Eltern wurden regelmig ber Elternabende mit einbezogen. Im September 2002 war ein deutlicher Erfolg zu sehen. Inzwischen wog Roland nur noch 65 Kilo, 25 Kilo weniger als noch zehn Monate zuvor!
Rolands Augen glnzen, wenn er an den Tag denkt, an dem er die alte Kleidung aus dem Schrank werfen konnte und shoppen ging. Es war total super. Ich fhlte mich befreit." Als erstes suchte er sich eine knackige Jeans aus.
Dana ist stolz auf ihren Jungen. Nicht nur Rolands, sondern auch ihr Leben ist seitdem leichter geworden: Roland ist viel erwachsener geworden", findet sie. So sehr, dass jetzt sogar seine Eltern und Geschwister von ihm lernen, wie man sich gesund ernhrt und fr ausreichende Bewegung sorgt. Roland hat eingesehen: Wenn ich leichter bin, kann ich viel mehr Sachen machen." Heute fhrt er mit dem Fahrrad zur Schule. Und am Schulsport nehme ich auch lngst wieder teil." Gem dem Moby Dick-Ernhrungsgrundsatz Auf die richtige Mischung kommt's an!", isst Roland heute ausgewogener und regelmiger. Nur das garantiert einen gleichmigen Zuckerspiegel im Blut, verhindert Heihunger. Fettreiche Produkte sind ganz tabu. Die Tafel Schokolade wird schn ber die ganze Woche verteilt. Und natrlich hlt er sich an die Empfehlung, lieber Nahrung zu essen, die mehrfach ungesttigte und pflanzliche Fette enthlt (z. B. Hering, Makrele und Sonnenblumenl).
Auerdem stehen viel Obst und Gemse, manchmal auch Nsse, Trockenobst oder ein Stck Kse auf Rolands Speiseplan. Statt zuckerser Limo trinke ich jetzt Mineralwasser, mindestens 1,5 Liter pro Tag."
Im Sommer 2003 Rolands Schlsselerlebnis: Ich habe Verwandte in Schlesien besucht. Als ich ankam, hat mich da erst niemand erkannt, Wahnsinn!" Kein Wunder: Heute wiegt er nur noch 62 Kilo bei einer Gre von 1,83 Meter.
Vom Erfolg des groen Bruders begeistert, will nun auch Fabian (70 Kilo bei 1,62 Meter) zu Moby Dick gehen und abspecken. Ein Stck von Mutters leckerem Kuchen ist ja auch dann noch ab und zu drin, hat er schlielich gelernt...
Info Moby Dick
Mindestens jedes fnfte Kind in Deutschland ist inzwischen bergewichtig. 1975 war es nur jedes zwanzigste! Ein Teil leidet bereits in jungen Jahren an chronischen Krankheiten wie Altersdiabetes oder Skelettvernderungen. Ursachen sind u.a. falsche Ernhrung, psychischer Stress und zu wenig Bewegung. Professionelle Hilfe finden Betroffene in den zurzeit 22 Moby Dick"-Gruppen. Die Teilnahme kostet monatlich 103 Euro. Viele Krankenkassen erstatten 80 Prozent. Drei Viertel der Teilnehmer sind erfolgreich. Weitere Informationen finden Sie im Internet unter: www.mobydicknetzwerk.de. Telefon: 040/32 52 52 38.
Das Buch Moby Dicks Spa-Dit fr Kinder" ist im Ullstein Verlag erschienen und kostet 7,95 Euro.
Bild 1: Roland bei der Feier zu seinem 12. Geburtstag. Damals wog der Junge schon fast 90 Kilogramm Bild 2: Roland mit 15. Er ist endlich schlank dank Moby Dick Bild 3:Mutter Dana ist stolz auf ihren ltesten. Von Roland haben wir gelernt, wie man sich gesund ernhrt." Fabian will jetzt auch abspecken. Nur Heidi (6) hat keine Gewichtsprobleme Bild 4: Mutter Dana mit ihren Kindern Fabian, Heidi und Roland (v.l.n.r.). Fabian will auch noch zu Moby Dick, Roland hat bereits abgespeckt.
Fotos: Oliver Wieters
Zwischentitel 1: Ein gutes Rezept: Spa statt Verbote
Zwischentitel 2: Je weniger Dit, desto besser
Zwischentitel 3: Verwandte haben ihn nicht wieder erkannt
Erstverffentlichung: "mach mal Pause", Rubrik Reportage, Heft 42 (6. Oktober 2004), Seite 26/27
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