Zur Amtseinfhrung der Bergedorfer Pastorin Christiane Zink
Von Oliver Wieters
Am Anfang war die Chemie. Eine Neigung zum Elementaren, Wesentlichen hatte
Christiane Zink offensichtlich schon als Schlerin. Da sie dann aber nicht
Naturwissenschaften studierte, sondern evangelische Theologie, verdankt sie
ihrem einstigen Tauf-Pastor, der sie dazu ermutigte, die kirchliche Laufbahn
einzuschlagen. 15 Jahre spter schickt sich die geborene Eilbekerin nunmehr
an, in seine Fustapfen zu treten: Am Sonntag Estomihi, dem letzten Sonntag vor
der Passionszeit, feiert die Kirchengemeinde St. Petri und Pauli mit einem
Festgottesdienst die Amtseinfhrung Christiane Zinks durch Propst Konrad
Lindemann. Mit der Berufung verbindet sich die Erlaubnis, die ursprnglich auf
die Hlfte reduzierte Stelle an der Seite von Pastor Helmut Hoffmann zunchst
fr vier Jahre auf eine ganze Stelle durch Spenden zu ergnzen.
Das Leitwort des Festtages wurde von Christiane Zink mit Bedacht gewhlt: Nicht
du trgst die Wurzel, sondern die Wurzel trgt dich (Brief des Paulus an die
Rmer, Kapitel 11, Vers 18). Die Rckbesinnung auf die jdischen Wurzeln des
Christentums stellt fr sie ein vorrangiges Anliegen dar und erstreckt sich auch
auf die Gegenwart des deutsch-israelischen Verhltnisses. Sie will den Dialog
zwischen Christen und Juden frdern, damit das Eigene im Fremden wiedergefunden
wird. Aber dafr mu man sich zuerst auf das besinnen, was man selbst als
Christ ist, sagt sie. Sie weiss, das dies gerade fr Lutheraner ein oftmals
schmerzlicher Proze ist: Schlielich war der groe Reformator auch einer der
wtendsten Judenfeinde. Whrend Paulus vom Judengegner zum Judenfreund wurde,
ging Luther den umgekehrten Weg, sagt sie. Auch deshalb whlte sie das
Paulus-Wort fr den Tag ihrer Amtseinfhrung.
Die Ausshnung mit Israel liegt ihr am Herzen, seit sie mit ihrem Vater 1985 das
erste Mal Israel bereiste. Im Schrein des Buches sah ich einen betenden Juden
mit Gebetsschal. Ich dachte: So hat auch Jesus ausgesehen!, erinnert sie sich.
Fortan besuchte sie regelmig Israel, auf der Suche nach den jdischen Wurzeln
ihres Glaubens.
Nach ihrem Studium in Hamburg und Heidelberg war sie theologische Referentin von
Hauptpastor Lutz Mohaupt an der Kirche Sankt Jakobi. Zwischen 1994 und 1996
bekleidete sie das Amt einer Vikarin in Allermhe-Reitbrook, wo Propst Lindemann
auf sie aufmerksam wurde. Doch bevor sie im Juni 1997 nach ihrem zweiten
Staatsexamen an ihrer Wunschkirche in Bergedorfs Mitte Pastorin zur Anstellung
wurde, berbrckte sie ein halbes Jahr mit einer fast schon biblisch anmutenden
Ttigkeit: Sie verkaufte Brtchen in einer alten Mhle. Eine gute Mglichkeit,
mit den Menschen ins Gesprch zu kommen, sagt sie rckblickend.
Als Theologin eine Sprache zu sprechen, die alle verstehen knnen diese
Aufgabe nimmt sie ebenso wichtig, wie die Fhigkeit, genau zuzuhren. Dafr hat
sie zwei Trainingsfelder: Seit einem Jahr ist sie jeden Freitag in der
Radiosendung Kirchenleute heute auf der NDR Hamburg Welle 90,3 zu hren. Und
in ihrer Freizeit frnt sie einer mrderischen Leidenschaft: Dem Lesen von
Krimis, besonders die des Schweden Henning Mankell. Dadurch lerne ich, immer
die richtigen Fragen zu stellen, sagt sie augenzwinkernd. hnlich wie Mankells
Kommissar Wallander gnnt sie sich keine Ruhe. Nur einmal im Jahr fhrt sie, die
im Mai heiraten wird, zum Skifahren ans Matterhorn. Warum? Weil die Berge einen
ausbremsen, sagt die rhrige Pastorin.
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