www.oliverwieters.de - 19.02.2026 - 04:23 Uhr
Artikel (#134)
Filmplakat "Zauber der Venus" ("Meeting Venus")
(Bild: Filmverleih)

Zauber der Venus (Meeting Venus)

Ein Film von Istvn Szab (1991)

von Oliver Wieters

An der Pariser Oper probt ein Ensemble europischer Knstler drei Dinge: Wagners Tannhuser, die Liebe und das Europische Haus". Eine schwierige Aufgabe, besonders wenn man verschiedene Sprachen spricht. So gesellt sich zu den persnlichen Animositten, brokratischen Sachzwngen und hinterhltigen Intrigen noch ein Wust nationaler Vorurteile hinzu. Zornentbrannt hmmert der ungarische Dirigent Zoltan Szanto (Niels Arestrup) eine wtende Parodie in die Klaviertasten: Und ich hasse die Kaugummi kauenden Amerikaner und die deutschen Nazis und die schwulen Choreographen und die lausigen Polen und die Spaghetti fressenden Italiener und die Juden sowieso ..." Mit diesem fulminanten Ausbruch gewinnt er die Liebe der schwedischen Diva Karin Anderson (Glenn Ciose, mit dem Sopran von Kiri Te Kanawa) und die ehrfurchtsvolle Bewunderung des gesamten Ensembles.

Die heftige, fr beide Seiten herausfordernde Beziehung zwischen Szanto und Andersen bildet - hnlich dem Tannhuser - das emotionale Rckgrat des Filmes. Und bei ihr hat Regiesseur Istvn Szab starke Anleihen bei der Oper gemacht. Angereichert mit dem Flair knstlerischer Mimosenhaftigkeit (Ach, Karin, so gut bin ich nicht ) werden fast alle Varianten emotionaler Unerlstheit angedeutet: Szanto in Budapest schreiend vor Andersons Fenster, Szanto in Paris, schreiend vor Andersons Fenster, Szanto bei der Polizei in Budapest und in Paris wegen Ruhestrung und Schreien vor Andersons Fenster und Szantos Frau in Budapest, ihren Mann anschreiend, vor den Augen des fr die Eheszene eigens geweckten gemeinsamen Kindes.

Irgendwann, niemand wei wie, ist dann endlich der groe Premierentag da: Kritiker und Premierenpublikum haben ihre Pltze eingenommen, das Fernsehen mit seiner Live-Ubertragung in 27 Lnder begonnen, aber der eiserne Bhnenvorhang geht nicht auf: Die selbstbewuten Bhnenarbeiter haben die Gunst der Stunde fr einen Arbeitskampf genutzt und den Vorhang unten befohlen. Aber die Kunst, nun schon mit so vielen Widrigkeiten fertig geworden, findet einen Weg: Szanto, der schon immer der Meinung war, die wahre Oper bedrfe weder eines Bhnenbildes noch der Kostme, lt das Bhnenensemble durch die Tren eintreten, sehr zur Uberraschung des Publikums, das das ganze wohl als von vornherein vorgesehenen Regieeinfall versteht. Als dann schlielich die gewaltige, erlsungsschtige Ouvertre des Tannhusers anhebt, zeigt sich die Kunst, als sei sie auf alle Zeit mit dem Alltag vershnt, vereinigt in dem musikalischen Genie des kleinen Sachsen.

Dem ungarischen Regiesseur Istvn Szab (Mephisto, Oberst Redl, Hanussen) ist mit Zauber der Venus (Meeting Venus) ein weiterer schner, bekenntnisreicher Film gelungen. Die Handlung basiert auf Erlebnissen Szabs, die er vor sieben Jahren whrend einer eigenen Inszenierung des Tannhusers am Pariser Palais Garnier sammeln konnte. Die damalige Inszenierung wurde ein Flopp, denn, so begrndete der Regiesseur spter den Mierfolg, ihm htten damals nur abstrakte Ideen vor Augen gestanden, nicht wirkliche Menschen.

Bei diesem Film hat er das richtige Ma gefunden: Ein Hauch des 18., 19. und 20. Jahrhunderts umweht die Szenen, deren Witz und Ideenreichtum bewunderungswrdig ist; mit der groen Analogie zum Europischen Haus ist ihm - der sich stets als Mitteleuroper bekennt - eine gelunge Referenz zu den Problemen der Gegenwart gelungen. Von abgrndiger Komik seine Idee, smtlichen mnnlichen Charakteren eine Ubersetzung seines eigenen Namens zu geben, so da Szab Istvn neben dem Deutschen Stefan Schneider, dem Amerikaner Steven Taylor und dem Italiener Stefano del Sarto steht. Von groer schauspielerischer Leistung die aufregende Glenn Close (Gefhrliche Liebschaften) und Niels Arestrup, aber auch Erland Josephson (Dr. Bettelheim im Hanussen) als Schauspieldirektor, Moscu Alcalay als gestreter Verwaltungsdirektor und der kleine tschechische Komiker Marian Labuda (Heimat, se Heimat!), der den Tannhuser miemt.

GB 1991/120 Min. Regie und Drehbuch: Istvn Szab. Mit Glenn Close, Niels Arestrup, Erland Josephson uam. Kinostart: 26. September 1991.




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