www.oliverwieters.de - 19.02.2026 - 04:32 Uhr
Artikel (#110)
Katharina Hoecker
(Bild: literarischewoche.de)

Katharina Hcker - Chronistin des Alltags (1991)

Kurzportrt der Autorin

von Oliver Wieters

Wenn es stimmt, da die Hufigkeit, mit der ein Autor oder eine Autorin bestimmte Wrter verwendet, etwas ber das Wesen seiner oder ihrer Texte aussagt, so wren diejenigen von Katharina Hcker als Alltagsprosa zu bezeichnen. Denn der Begriff Alltag ist fr die 1960 in Kiel geborene Schriftstellerin einer der wichtigsten. Laute Tne sind nicht ihr Fach. Die Wahlhamburgerin ist eine engagierte Zeugin des Alltags, und sie verfgt ber einen scharfen Blick fr die Demtigungen, Sehnschte und Mglichkeiten der (weiblichen) Lebenswelt.

In ihrem 1989 verffentlichten Erstling Durststrecken, einer Mischung aus Essay und Erzhlung, schreibt sie zum Thema Frauen und Alkoholsucht: Die Trinkerfahrungen, mit denen wir Frauen den Alkohol mehr und mehr in unseren Alltag integrieren, sind keine Erfahrungen spektakulrer Exzesse. Sie sind alltglich, banal; sie gehen den leisen Gang einer schleichenden Gewhnung... Ihr neuer, bislang unverffentlichter Roman Schwesternehe, fr den sie in diesem Jahr den Literatur-Frderpreis der Hamburger Kulturbehrde erhielt, erzhlt die Geschichte einer Frauenliebe, die unter dem Gewhnungsgift des Alltags unterzugehen droht, bis eine der Protagonistinnen den Mut aufbringt, aus den engen Verhltnissen auszubrechen. Einer voyeuristischen Behandlung der gleichgeschlechtlichen Liebe hlt Katharina Hcker ihre Geschichten aus dem augenscheinlich ungleich weniger aufsehenerregenden gesellschaftlichen Abseits der lesbischen Beziehungskiste entgegen: Mir ging es darum, eine Erzhlung zu schreiben, in der lesbische Frauen die Hauptrolle spielen, ohne da das erlutert wird, ohne da das explizit eine Rolle spielt. Es geht einfach um deren Lebensform, ganz unspektakulr und unsensationell.

Katharina Hcker, die nach einem Studium der Germanistik und Politikwissenschaft seit 1989 als freie Autorin arbeitet, bereitet zur Zeit einen neuen Roman vor, der sich mit der pubertren Entwicklung eines jungen Mdchens beschftigt.

Die hier erstmalig abgedruckte Erzhlung Karin wei bescheid entstammt einer Sammlung von bisher unverffentlichten Texten, die die Autorin in den vergangenen Jahren niedergeschrieben hat.

Erstverffentlichung: taz Hamburg, 1991




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