Die bekannte Sngerin ber ihre Jugend in Auschwitz
Von Oliver Wieters
Gespannt lauschten die 400 Schler der Gewerbeschule G13 in der Aula der Schule Richard-Linde-Weg den packenden Erinnerungen der lebenslustigen Frau, in deren Leben die Musik eine groe Rolle spielte. Geboren 1924 im Saarland als Tochter eines jdischen Oberkantors, der zugleich der Klavierlehrer von Esthers spterer Mutter war, stand ihre Jugend unter dem Unstern der Nazi-Barbarei. In der Pogromnacht vom 9. November 1938 wurde ihre Schwester zusammengeschlagen, ihr Vater verhaftet. Bevor Esther nach Palstina auswandern konnte, wurde sie 1941 in ein Zwangsarbeiterlager deportiert. Zwei Jahre spter kam sie nach Auschwitz.
Ihr berleben verdankt sie ihrer Musikalitt und dem Umstand, da sie eine arische Gromutter hatte. So kam sie nach Ravensbrck, mute dort als Zwangsarbeiterin bei Siemens arbeiten. 1945 entkam sie auf dem Todesmarsch. Ihre Familie hatte kein Glck: Die Nazis hatten ihre Eltern bei Riga ermordet, ihre Schwester wurde erschossen, nachdem sie aus Basel ausgewiesen worden war.
Nach dem Krieg wanderte Esther nach Palstina aus, arbeitete als Musiklehrerin. Doch schon 1960 kehrte sie mit ihrem Mann nach Deutschland zurck. Er wollte weg, weil er Pazifist war und nicht gegen die Araber kmpfen wollte, erzhlt sie. Man hatte ihnen gesagt, da nun alles ganz anders sei in Deutschland, sagt sie sarkastisch. Ein Irrtum, wie sich herausstellte. Viele Nazis waren noch in Amt und Wrden, der Antisemitismus florierte.
In Hamburg und andernorts kmpft Esther Bjarano seit 40 Jahren gegen die ihrer Meinung nach bis heute nicht gebannte braune Gefahr, singt Lieder von Brecht und aus den Lagern. Musik spielt fr mich eine sehr groe Rolle, sagt sie. Sie kann aufklren und erinnern. Das sei auch bitter ntig, findet sie: Schlielich ist die jdische Kultur in Deutschland weitgehend verloren gegangen.
Bergedorfer Zeitung, 20. Februar 2001
Hier knnen Sie einen Kommentar zum Text hinzufgen (bitte keine Links):