Dieter Galinski: Ein Hanseat aus Leidenschaft (2001)

Dieter Galinski von der Bürgerstiftung Hamburg und der Körper Stiftung wurde für sein Engagement mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.

Von Oliver Wieters

„Hamburg“, schwärmt Dieter Galinski, „ist für mich die schönste Stadt Deutschlands“. Gerne erinnert sich der frischgebackene Träger des Bundesverdienstkreuzes am Bande an den Tag, an dem er zum ersten Mal die sich kreuzenden Segel auf der Alster sah. 26 Jahre ist das jetzt her, aber die Faszination für die Hansestadt, die der französische Schriftsteller Julien Green einmal die „Stadt der Tausendundeinen Nacht des Nordens“ nannte, ist dem begeisterten Segler geblieben.
Wie ein waschechter Hanseat sitzt er mit gestreiftem Hemd, gelber Krawatte und dunklem Jackett auf einem Stuhl in den nüchternen Räumen der Körber-Stiftung. Erst der Schülerwettbewerb, dann das Körber-Kolleg, jetzt die Bürgerstiftung: Hamburg hat dem Mann mit dem Vollbart Glück gebracht. Eine Entwicklung, die keineswegs selbstverständlich war: Geboren wurde er zwei Jahre vor Kriegsende in Duisburg als einziges Kind eines katholischen Vaters und einer protestantischen Mutter. Sein Vater war ein Selfmademan, der einige Zeit in Brasilien gelebt hatte und mehrere Sprachen beherrschte. Neben der Eisenhütte, wo er arbeitete, befand sich eine Leihbibliothek, der Dieter Galinski seine ersten Leseerfahrungen verdankt. „Eines meiner Lieblingsbücher handelte von dem berühmten Indianerhäuptling Tecumseh, sein Bemühen um die Einigung der indianischen Stämme und seinen Kampf gegen das Vordringen der weißen Eroberer“, erinnert er sich. „Ich war natürlich auf der Seite der Indianer“, fügt er schmunzelnd hinzu.
Seine Sympathie für die Benachteiligten verband ihn mit dem Geist der Achtundsechziger-Bewegung. Damals studierte er in Münster Geschichte und Erziehungswissenschaften, beseelt von dem Gedanken, mehr Demokratie zu wagen. Das gleiche Ziel hatte der damalige Bundespräsident Gustav Heinemann, der in einer berühmten Rede gefordert hatte, freiheitliche Traditionen im deutschen Geschichtsbild zu stärken. „Die Rede kannte ich auswendig“, so Dieter Galinski. Heinemann war es auch, der 1974 zusammen mit seinem Freund Kurt A. Körber den Schülerwettbewerb Deutsche Geschichte um den Preis des Bundespräsidenten ins Leben rief. Auf eine Anzeige hin Bewarb sich Dieter Galinski als Geschäftsführer des Kuratoriums, eine Funktion, die er mehr als zwei Jahrzehnte inne hatte.
„Das war eine große Chance, das, was gerade aufkam, zu verbreiten“, erinnert er sich. Nicht nur die Geschichte der Sieger, sondern auch die der Verlierer sollte ins Bewußtsein der Öffentlichkeit gehoben werden. Seitdem sind in 15 Ausschreibungen mehr als 85.000 Schüler an ihrem eigenen Wohnort auf historische Spurensuche gegangen – ein Erfolg, der zu großen Teilen dem Engagement Dieter Galinskis zu verdanken ist.
Im Herbst 1988 brachte Kurt A. Körber aus der Sowjetunion, wohin er Helmut Kohl begleitet hatte, die Idee zu einem demokratischen Management-Ausbildungsprogramm für russische Ingenieure mit. Bis zu seiner Einstellung vor zwei Jahren hatte das Programm, das er mit auf den Weg brachte, mehr als 180 Teilnehmer aus dem ehemaligen Sowjetreich. Dieter Galinski war begeistert: „Ich fand es faszinierend, Geschichte aktiv mitzugestalten.“
Von dort aus war es gedanklich nur ein kleiner Schritt zu seinem Engagement in der Bürgerstiftung Hamburg. Seit einem Jahr setzt sie sich für gewaltpräventive Jugendprojekte in sozialen Brennpunkten Hamburgs ein. Für Dieter Galinski, der weiterhin Angestellter der Körber-Stiftung ist, eine Möglichkeit, seine Verbundenheit mit der Stadt zum Ausdruck zu bringen, nicht zuletzt, weil er jetzt den Weg von seinem Haus in Glinde zur Stiftung am Mittelweg mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurücklegt. „Ich bin viel näher dran an den Problemen und lerne Hamburg mit neuen Augen sehen“, sagt er.
Dieter Galinski hat seinen Weg gemacht. Für sein lebenslanges Engagement erhielt er am 14. November aus der Hand der stellvertretenden Bürgermeisterin Christa Sager das Bundesverdienstkreuz am Bande. Natürlich im Rathaus von Hamburg, der Stadt, die zu seiner zweiten Heimat geworden ist. •

Print Friendly, PDF & Email

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.